Intelligence

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Der Begriff Intelligence kann je nach Kontext sowohl eine Organisationsform als auch einen Prozess sowie damit verbunden ein Produkt/Ergebnis beschreiben und bezeichnen. Im organisationalen Kontext wird er regelmäßig und ursprünglich synonym für Nachrichten- und Geheimdienste verwandt (so z.B. in Central Intelligence Agency, Intelligence Service etc.). Dabei beschreibt er den politischen Auftrag der Sammlung und Beschaffung von Informationen zur Gewinnung von Erkenntnissen z.B. über das Ausland, Organisationen, Personen etc., mit sicherheits-, bzw. außen-/innenpolitischer Bedeutung (für die Bundesrepublik Deutschland u.a. in den Gesetzen BNDG, MADG, BVerfSchG, bzw. den jeweiligen Gesetzen der Länder geregelt; BND, MAD, BfV/LfV). Hiermit wird dieser Prozess der geplanten Informationsgewinnung und -beschaffung, der analytischen Aufbereitung der Information zur Nachricht und Verarbeitung zur Erkenntnis in den Mittelpunkt der Bedeutung gehoben.


Verfahren und Ablauf

Beschrieben wird dieser in der Regel im so genannten Intelligence Cycle, einem zyklischen, verlaufsbestimmenden Verfahren.

So werden zunächst in der Planungsphase (Planning & Direction) die eigentlichen Fragestellungen (häufig die sog. Key Intelligence Questions, aber auch Critical Intelligence Requirements) geregelt, die Indikatoren, die zur Beantwortung dieser Fragen zu beobachten sind, festlegt sowie die zu nutzenden Quellen (Human Intelligence HUMINT, Open Source Intelligence OSINT, Signal Intelligence SIGINT etc.) beschrieben. In der darauf folgenden Phase der Sammlung (Collection) werden über die zuvor festgelegten Quellen die notwendigen Informationen (im Geheimen) beschafft oder (offen) gewonnen. Es wird hierbei trennscharf zwischen der Zuverlässigkeit der Quelle (in den Stufen "A-absolut zuverlässig" bis "F-Zuverlässigkeit kann nicht beurteilt werden") und der Glaubwürdigkeit einer Nachricht ("1-gesichert" bis "6-Wahrheitsgehalt kann nicht beurteilt werden") unterschieden. Danach werden in der Verarbeitungsphase (Processing - u.a. auch als Analysephase (Analysis & Production) bezeichnet) die unterschiedlichen Nachrichten analysiert, gegeneinander abgewogen, verglichen, eingestuft (offen bis streng geheim) und in der Regel zu einem Bericht (Intelligence Report) verarbeitet, um in der letzten Phase, der Verbreitung (Dissemination), nach dem need-to-know/Kenntnis-nur-wenn-nötig Prinzip dem Bedarfsträger weitergeleitet zu werden. Auf der Basis der so gewonnenen Erkenntnisse, startet der Intelligence Cycle von neuem.


Kategorien der Intelligence

Abhängig von der Wahl der Quellen, werden verschiedene Disziplinen und hierarchisierte Kategorien unterschieden. So subsumiert der Begriff der sog. Technical Intelligence (TECHINT) neben anderen die Disziplinen Signal Intelligence (SIGINT), also die signalerfassende Sammlung und Auswertung von Informationen der Communications Intelligence (COMINT) (Auf- und Abfangen von z.B. Sprach-, Video- und anderen Daten), der Electronic Intelligence (ELINT) (Feststellung eines Emitters, dessen Eigenschaften und Standort) sowie der Computer Intelligence (COMPINT) (Ausspähen und Eindringen in Computersysteme). Darüber hinaus wird unter TECHINT auch die Imagery Intelligence (IMINT), also die Auswertung und Nutzung von Bilddaten (z.B. Satelliten- und Luftbilder) sowie die für den zivilen Bereich nachrangig zu betrachtende Measurement and Signature Intelligence (MASINT), gefasst.

Die klassischste Form der Informationsbeschaffung und -gewinnung aber bleibt die mittels menschlicher Quellen, die sog. Human Intelligence (HUMINT). In ihr werden alle Formen unmittelbarer zwischenmenschlicher Kontakte zusammengefasst. Die Informationen werden gewonnen und beschafft durch z.B. Elicitation Techniques, bestimmten Gesprächsführungstechniken zur "Herauslockung" von Informationen (im günstigsten Falle ohne Wissen und Bemerken des Gegenübers), aber auch Methoden des Social Engineerings (IT-Hacking) (häufig als Soziale Manipulation übersetzt), zur unberechtigten Erlangung von Daten, Zugängen und Informationen. Im nachrichtendienstlichen Sinne werden hierzu Quellen oder auch Agenten rekrutiert, entwickelt und geführt. Die hier beschriebenen Quellen werden ergänzt durch die (auch für Geheimdienste) wichtigste Form der Intelligence, die Open Source Intelligence (OSINT). Hierunter wird die Auswertung und analytische Aufbereitung frei zugänglicher Informationen, Nachrichten und Erkenntnisse des öffentlichen Raumes (Printpublikationen, Internet, Radio, Fernsehen etc.) unter dem Aspekt einer bestimmten Fragestellung verstanden.


Bedeutung in der Wirtschaft

Der ehemals im militärischen, bzw. geheimdienstlichen Umfeld beheimatete Begriff Intelligence hat in ähnlicher Verwendung den Einzug über die Finanzwelt in das Alltagsvokabular wirtschaftlichen Handelns gefunden. Hier beschreibt er in Begriffen wie Business Intelligence, Competitive Intelligence, Financial Intelligence etc. firmeninterne und -externe Organisationen, deren Methoden und Verfahren sowie analytischen Auswertungen von (zumeist Finanz-)Daten zur Entwicklung und Unterstützung eigener strategischer Entscheidungen. Da die Bewertung über Legalität und Illegalität in der Regel von der Kenntnis einer Quelle darüber abhängt, dass sie als solche genutzt wird, bzw., ob ihre Nutzung den Gesetzen eines Landes zuwider läuft oder illegale Methoden zum Einsatz gelangen, sind die Grenzen zur Spionage fließend. Daher wird den oben beschriebenen Intelligenceformen in der Regel die sog. Counter-Intelligence (vereinfacht übersetzt: Spionageabwehr) entgegengesetzt.


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 6. November 2017 um 14:15 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Admin und Christian Muth.

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