Desinformation

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

Anzeige
Wechseln zu: Navigation, Suche

Desinformation ist die gezielte Verbreitung unwahrer oder irreführender Informationen. Ziel der Desinformation ist in der Regel die Beeinflussung der Meinung der Öffentlichkeit, von Gruppen oder von Einzelpersonen, um eigene politische oder wirtschaftliche Ziele zu fördern. Desinformation kann frei erfundene Mitteilungen oder geänderte Informationen umfassen.

Beispiele

Frei erfunden kann die Mitteilung sein, dass ein Anschlag in einer bestimmten Stadt zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgt ist. Der Anschlag kann tatsächlich stattgefunden haben, aber über die Zahl der Opfer, den Tathergang oder die Täter können falsche Informationen gestreut werden.

Auch können statistische Zahlen missbraucht oder Aussagen verfälscht, bzw. verkürzt wiedergegeben werden. Von der Aussage "Ich hoffe nicht, dass herauskommt, dass Person XY ein Offshore-Konto unterhält und in der Lieferkette massiv Kinderarbeit eingesetzt wird" bleibt später die Botschaft hängen, Person XY unterhält ein Offshore-Konto und es wird Kinderarbeit eingesetzt.


Gefahren

Desinformation gab es schon immer. In Zeiten von Social Media steigen jedoch Möglichkeiten und Gefahren rapide. So kann jeder zum Autor werden, jeder prinzipiell jeden erreichen. Wer auf Facebook oder Twitter viele Follower hat, kann binnen Sekunden Informationen an eine große Zahl von Personen streuen. Diese können die Informationen weiter teilen, liken, retweeten etc. Damit entsteht sehr schnell eine früher kaum erzielbare Reichweite.

Dieser Prozess läuft sehr schnell, weil die meisten Nutzer interessant klingende Meldungen vor der Weiterleitung nicht intensiv prüfen. Geschwindigkeit ist Trumpf, verleiht dem eigenen Profil mehr Aufmerksamkeit. In dieser kurzen Zeit können Fakten zum einen nicht auf Authentizität geprüft werden. Zum anderen können sie auch nicht mehr zurückgerufen werden. Während in einer Zeitung noch eine Gegendarstellung oder Korrektur möglich ist – die meist schon kaum Beachtung findet – wird eine Korrektur in den sozialen Medien meist gar nicht erst eingestellt und noch seltener dann geteilt und weiter verbreitet. Die Lüge bleibt im Netz und im kollektiven Gedächtnis.

Verstärkt wird dieses Phänomen in so genannten "Echo-Kammern". Dienste wie Facebook, Google oder Amazon spielen ihren Nutzern vor allem solche Informationen zu, die diese am wahrscheinlichsten interessieren. Wer also eine bestimmte Gesinnung hat, wird vor allem solche Artikel und Meinungen aufgezeigt bekommen, die dieser entsprechen. Dadurch verstärkt sich die Geisteshaltung noch weiter. Die Meinungsforschung hat das Bild der "Schweigespirale" geprägt: So hängt die Bereitschaft, sich öffentlich zu der eigenen Meinung zu bekennen, von der Einschätzung des Meinungsklimas ab. Neue Impulse werden ferngehalten. Darüber hinaus erhalten zugespitzte Nachrichten mehr Klicks und werden von daher von den Diensten auch eher angezeigt.

Den Desinformanten stehen heute technische Möglichkeiten zur Verfügung, die ihre Arbeit massiv erleichtern. Mit so genannten Social Bots (Programme, die vorgeben menschliche Nutzer zu sein) können Nachrichten automatisch generiert oder geteilt werden. Durch Armeen von Bots kann der Eindruck vermittelt werden, eine bestimmte Meinung herrsche in den Sozialen Medien – oder zumindest einzelnen Echo-Kammern – vor. Trends, so genannte Trending Topics, können gesetzt und mit gewisser Wahrscheinlichkeit von klassischen Medien aufgegriffen werden.


Bedrohung für Unternehmen

Während Desinformation bislang vor allem als Gefahr für Politik und Gesellschaft diskutiert wird, müssen sich auch Unternehmen auf diese Bedrohung einstellen.

So kann über gezielte Desinformationskampagnen ein Unternehmen nachhaltig geschädigt werden. Mögliche Angriffsvektoren sind die Personalgewinnung, der Vertrieb oder die Kreditwürdigkeit. Wenn in Arbeitnehmerforen negativ über Unternehmen gesprochen wird und Bewertungen manipuliert werden, kann das Recruiting von Engpasszielgruppen massiv erschwert werden. Ebenso lässt sich der Absatz von Produkten über eine breit gefächerte Schlechtbewertung und Kritik in Foren beeinflussen.


Gegenmaßnahmen

Unternehmen müssen darüber, wie über ihr Unternehmen im Netz gesprochen wird, informiert sein. Sie müssen "zuhören": Digital Listening. Eine solche digitale Früherkennung kann zumindest teilautomatisiert erfolgen. Das Unternehmen kann damit zeitnah erkennen, dass ein Desinformationsangriff erfolgt. Entsprechende Hinweise müssen in das Sicherheitslagebild einfließen. Bei der Bekämpfung ist vor allem die Kommunikationsabteilung gefragt. Diese sollte entsprechende Krisenpläne bereitliegen haben.


Studie

Der ASW Bundesverband hat gemeinsam mit complexium und Deloitte eine Studie zum Thema Desinformation durchgeführt. Welche Auswirkungen können Falschinformationen auf Unternehmen haben? Können sie gar ihre Sicherheit bedrohen? Falls ja, wie könnten sich Unternehmen davor schützen? Diesen und weiteren Fragen wird nachgegangen. Die Studie ist unter http://www.asw-bundesverband.de/desinformation verfügbar.


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 15. November 2017 um 14:57 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Jan Wolter und Prof. Dr. Martin Grothe.

Anzeigen